Thema: Schmerz und Sorge, Teil 2
Wenn wir krank und in Not sind, laßt uns um Gottes Heilung flehen, und Er
wird unser Beten erhören.
Wenn unsere Gedanken mit der Bitternis dieser Welt erfüllt sind, laßt uns
unsere Augen auf die Süße von Gottes Mitleid richten, und Er wird himmlische
Ruhe senden. Wenn wir auch in der stofflichen Welt gefangen sind, so kann
sich doch unser Geist in die Himmel erheben, und wir werden tatsächlich frei
sein.
Wenn sich unsere Tage dem Ende nähern, laßt uns der ewigen Welten gedenken,
und wir werden voller Freude sein.
Überall um euch seht ihr die Beweise für die Unzulänglichkeit der
stofflichen Dinge und daß Freude, Labsal, Friede und Trost nicht in den
vergänglichen Dingen der Welt zu finden sind. Ist es daher nicht töricht,
uns zu weigern, diese Schätze dort zu suchen, wo wir sie finden können? Die
Tore des geistigen Königreiches sind für alle offen, und außerhalb derselben
ist völliges Dunkel.
Danket Gott, daß ihr, die ihr hier versammelt seid, davon wißt, denn in
allen Sorgen des Lebens vermögt ihr höchsten Trost zu erhalten. Wenn eure
Erdentage gezählt sind, so wißt ihr, daß euch ewiges Leben erwartet. Wenn
euch materielle Angst in eine dunkle Wolke hüllt, wird geistiger Glanz euren
Weg erhellen. Wahrlich, wessen Sinn vom Geist des Höchsten erleuchtet ist,
der hat die erhabenste Tröstung.
Ich war durch vierzig Jahre hindurch im Gefängnis - ein bloßes Jahr schon
wäre unmöglich zu ertragen gewesen - niemand hat jene Gefangenschaft länger
als ein Jahr überlebt. Aber Gott sei Dank, während jener ganzen vierzig
Jahre war ich überaus glücklich. Jeden Tag, wenn ich erwachte, war es, als
ob ich gute Botschaften hörte, und jede Nacht erfüllte mich mit unendlicher
Freude. Geistigkeit war mein Trost und Hinwendung zu Gott meine größte
Freude. Glaubt ihr wohl, ich hätte anders vermocht, jene vierzig Jahre in
Gefangenschaft zu leben?
Darum ist Geistigkeit die größte unter den Gaben Gottes, und ,»ewiges
Leben« heißt, »sich zu Gott zu wenden«. Möchtet ihr, einzeln und insgesamt,
mit jedem Tag an Geistigkeit gewinnen, möchtet ihr in allem Guten Stärkung
finden, möchte der göttliche Trost euch immer mehr helfen, euch Gottes
Heiliger Geist erlösen und die Kraft des himmlischen Königreiches unter euch
leben und wirken.
Das ist mein ernstlicher Wunsch, und ich flehe zu Gott, euch diese Gunst zu
gewähren.
Abdu'l Baha, Ansprachen in Paris, 22. November 1911
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